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Was, wenn Europa den Transrapid wieder will?

Der Transrapid wurde jahrzehntelang in Deutschland entwickelt, 2011 kamen die Transrapid-Aktivitäten in Deutschland jedoch zum Ende. Zeitgleich begann man in China mit der „Weiterentwicklung“ der Transrapid-Technologie.

Wie sieht es aus, wenn Europa in der heutigen Zeit wieder Interesse am Transrapid zeigt? Und vor allem: Was für ein Fahrzeug wird eingesetzt? Eine kleine Analyse.

TR09

Status der Technologie

Ansich ist beim Transrapid keine Weiterentwicklung erforderlich. Die technische Einsatzreife wurde bereits 1991 am TR07 festgestellt. Darauf folgen zwei weitere Generationen (TR08/TR09), die beweisen, dass die Technologie reif ist. In Shanghai haben die TR08-Fahrzeuge fast 25 Mio. Kilometer auf dem Tacho, und laut einer Analyse des Herstellers haben die Fahrzeuge noch lange nicht ihr Lebensende erreicht.

Der TR09 ist ein sehr fortschrittliches Fahrzeug. Mit den heutigen Stand der Technik lässt sich jedoch noch eine Menge verbessern, vor allem die Magnetregeleinheiten sind heutzutage deutlich kompakter realisierbar. Hier lässt sich nur spekulieren, ob auf einer ersten Strecke der TR09 aus 2005/2008 eingesetzt wird, oder gar ein TR10. Dies wird wohl vom Budget abhängig sein.

Der CRRC CF600 verfügt zwar über kleinere Verbesserungen (zum Beispiel) am Wagenkasten und der Klimatisierung, jedoch zeigen Vergleiche, dass das Magnetfahrwerk zwischen TR08/TR09 und dem CRRC CF600 quasi identisch ist.

Fahrweg

Der zum Einsatz kommende Fahrweg wird vermutlich ein Betonfahrweg der Firmengruppe Bögl.

Bögl entwickelte von 1996 – 2011 viele verschiedenen Transrapid-Fahrwege, welche teilweise auch in Lathen verbaut wurden. Auf der Shanghai-Strecke kommt tatsächlich die zweite Generation des Hybridträgers zum Einsatz, welche von Bögl entwickelt wurde.

Die neuste Generation des Betonfahrwegs wurde 2010 auf der Teststrecke im Emsland verbaut. Dieser neuartige Betonträger verspricht niedrigere Baukosten, weniger Untergrund-Kabelkanäle, verringerte Wartungskosten (z.T. durch Stahlersparnisse), verbesserten Fahrkomfort, und eine schnellere Fertigung.

Eine Produktion der Fahrwege in China ist unwahrscheinlich. Dort setzt man für zukünftige Streckenprojekte ebenfalls auf Betonträger, jedoch ist der Fahrweg dort leicht modifiziert. Während man beim Bögl-Betonfahrweg auf Betongleitleisten setzt, die einfacher zu produzieren sind, und den Wartungsaufwand minimieren, setzt man in China auf einen Betonfahrweg, der über „Stahl-Funktionseinheiten“ verfügt, welche die Gleitleiste, Seitenführschiene und Statoren samt Wicklung umfasst. (Spoiler: Das haben die nicht selber entwickelt, sondern von einem deutschen Patent „übernommen“). Auch logistisch gesehen wäre es nicht sinnvoll, hunderte bis tausende Fahrwegträger in China zu produzieren, und diese nach Deutschland zu verschiffen, wenn man die Produktion auch im Inland beauftragen kann.

In Deutschland haben jedoch auch weitere Firmen Fahrwege entwickelt, darunter z.B. Dyckerhoff(-Wiedmann), Züblin, und viele weitere. Doch Bögl ist das einzige Unternehmen, das bei der Transrapid-Entwicklung bis zum Ende dabei war, und auch noch heute eine eigene Magnetschwebebahn (TSB) entwickelt.

Das Fahrzeug

Welches Fahrzeug wird nun in Europa zum Einsatz kommen? Persönlich glaube ich, dass es ein deutscher Transrapid 09 wird. Denn das Unternehmen „ThyssenKrupp Transrapid GmbH“ ist noch weiter aktiv, und kooperiert bei wissenschaftlichen Studien sogar mit dem chinesischen Hersteller CRRC. 2018 wurde sogar eine offizielle Kooperation bekannt gegeben.

In Deutschland gibt es kein Transrapid-Werk mehr. Man könnte mit hohem Kapitalbedarf ein neues Werk eröffnen. Da in China jedoch mehrere Produktionsstätten für Transrapid-Fahrzeuge einsatzbereit sind, wäre es realistisch, die Fahrzeuge günstiger in China zu produzieren. 

Dass ein chinesisches CRRC CF600 Fahrzeug in Europa zum Einsatz kommt, halte ich für unrealistisch.

In Bezug auf die chinesischen Transrapid-Klone äußerte sich ein Thyssen-Sprecher:

 „Sind erst einmal drei Trassen in China erfolgreich in Betrieb, wird das Interesse am Transrapid weltweit schnell steigen“. (siehe Sueddeutsche.de)

CRRC bedient mit dem CF600 lediglich den inländischen, chinesischen Markt. Eine weitere Kooperation zwischen ThyssenKrupp und CRRC ist aber nicht ausgeschlossen, beide Unternehmen könnten sich bei einem solchen Auftrag ergänzen.

Fazit

Eine europäische Transrapid-Strecke ist heutzutage definitiv realisierbar. Die Technologie wurde nicht nach China verkauft, sondern lediglich lizensiert. Und besonders auf dem europäischen Markt bestehen noch alle Voraussetzungen, eine Strecke zu realisieren. Es gibt einen Fahrzeughersteller, es gibt einen Fahrweghersteller, und sogar eine Gesetzesverordnung.

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