China und seine (kopierten) Magnetschwebebahnen

China ist bekannt für seine Magnetschwebebahnen. Nicht verwunderlich, denn bereits 2002 begann in Shanghai der Betrieb des weltweit schnellsten Zuges, den deutschen Transrapid.

Seitdem hört man regelmäßig aus China. Von hollywoodreifen Spionageaktionen der SMT-Strecke, bis hin zu dreisten Kopien des Transrapidsystems, war praktisch alles dabei.

Doch der Spieß hat sich gewendet – hört man heute von chinesischen Magnetschwebebahnen, denken viele nicht einmal mehr an eine Kopie. Viel eher hat sich die Fehlinformation verbreitet, Deutschland hätte den Transrapid nach China verkauft, was in dieser Form jedoch nicht stimmt.

Nachdem bereits 2006 bekannt wurde, dass China an Kopien des Transrapid arbeitet, verblüfft uns, dass sich eine ähnliche Geschichte mit einer weiteren, deutschen Magnetschwebebahn abspielen könnte.

Der deutsche Transrapid in China

Schon Ende der 1990er Jahre begann China, Interesse am deutschen Transrapid zu zeigen. Nachdem es gelang, den chinesischen Ministerpräsidenten Zhu Rongji bei einer Probefahrt auf der emsländischen Transrapid-Versuchsanlage vom System zu überzeugen, begann 2001 der Bau der 30 km langen Transrapid-Strecke Shanghai (SMT). In einer Rekordzeit von weniger als zwei Jahren gebaut, starteten erste Tests der in Kassel gebauten Fahrzeuge bereits 2002.

Es dauerte nicht lange, bis der erste Verdacht des Technologiediebstahls bekannt wurde. Im Dezember 2004 berichtete die WirtschaftsWoche, wie chinesische Ingenieure von einem ThyssenKrupp-Ingenieur gefilmt wurden, wie sie die SMT-Strecke ausspähten. Die Shanghaier Volksregierung, sowie das SMT-Unternehmen, dementierten diese Vorwürfe, und deklarierten sie als „Beleidigung an chinesische Ingenieure“.

Anfang 2006 bereitet China dem deutschen Transrapid-Konsortium Angst, als bekannt wurde, man arbeite an einer eigenen Magnetschwebebahn, welche bereits auf einer 1,7 km langen Strecke getestet wird.

Der Chefingenieur der chinesischen Magnetbahn, Zhen Qihui, betonte jedoch, dass es sich um eine komplett unterschiedliche Technologie handele. „Die Bahn, die wir gebaut haben, ist ganz anders als die deutsche“, äußerte er gegenüber spiegel.de.

Diese Aussage erwies sich als Lüge, da das Fahrzeug auf einer Strecke betrieben wurde, welche aus recycelten Fahrwegträgern der 30 km langen SMT-Transrapidstrecke errichtet wurde. Bilder der Magnetschwebebahn, „CM1 Dolphin“ genannt, bewiesen ebenfalls, dass es sich exakt um die deutsche Technologie handelt, welche quasi kopiert wurde.

Gleichzeitig sieht die Zukunft des Transrapid im Heimatland Deutschland düster aus. Das Interesse der Politik fällt, geplante Strecken wurden nacheinander abgesagt. 

Doch China zeigt weiterhin großes Interesse, und nutzt das Scheitern in Deutschland zu seinem eigenen Vorteil. So kam es 2009 zu einer Lizenzvergabe vieler Systemkomponenten nach China, woraufhin dort bereits 2010 das erste Fahrzeug vorgestellt wurde, welches teilweise deutsch, jedoch auch teilweise chinesisch war. Bei diesem Fahrzeug wurde der Wagenkasten lizensiert in China gefertigt, viele Komponenten des Magnetfahrwerks stammen weiterhin aus Deutschland. Dem Transrapid-Unternehmen blieb keine andere Wahl, seine Technologie auf den Markt zu bringen, als mit China zu kooperieren.

Danach wurde es ruhig um den Transrapid. In Deutschland stellte man 2011 den Betrieb der Teststrecke ein, in China ruhte das Thema Transrapid nach der Absage der geplanten SMT-Verlängerung. Das Thema Transrapid schien, seine Ruhe gefunden zu haben.

Das ändert sich jedoch, als China 2016 bekannt gab, man arbeite an einer 600 km/h schnellen Magnetschwebebahn. Nur drei Jahre später, im Mai 2019, präsentierte die staatliche Eisenbahnfirma „CRRC“ einen Prototypen der 600 km/h schnellen Magnetschwebebahn, welche vollständig auf dem deutschen Transrapid basiert. Mit dem einzigen Unterschied, dass hier keine deutsche Beteiligung mehr drin steckt.

Damit steht der deutsche Transrapid nicht alleine. Auch die Japaner hat es getroffen, als CRRC im November 2021 ein Fahrzeug vorstellte, welches vollständig auf dem japanischen „Chuo-Shinkansen“ basiert.

Nun trifft es das TSB

Dieser Teil des Artikels ist vorübergehend nicht verfügbar (Stand: 12.01.2022)

Mut wagen

Der Transrapid ist in der Lage, Inlands- sowie Europaflüge klimaneutral zu ersetzen. Das vollelektrische Transportmittel ist durch den fehlenden Rollwiderstand besonders effizient, leise und nachhaltig. Es ist in Anbetracht unserer heutigen Klimakriese unvorstellbar, wie die Transrapid-Technologie vor mehr als 10 Jahren politisch endete. 

Einen solchen Werdegang der Geschichte gilt es bei weiteren Technologien zu vermeiden. Denn wenn sich diese in Deutschland ebenfalls aufgrund politischer Barrikaden nicht durchsetzen können, werden wir womöglich eine weitere Innovation des deutschen Mittelstands an China verlieren.

Comments are closed.