Warum will CRRC plötzlich nach Deutschland?

Kürzlich wurde bekannt, dass CRRC prüft, die Transrapid Versuchsanlage Emsland (TVE) zu reaktivieren. Dabei hat CRRC auch vor, mit deutschen und europäischen Firmen zu kooperieren. Diese neue Taktik sorgt für Aufsehen – Warum will CRRC die Technik wieder nach Deutschland bringen? Dieser Artikel erläutert die Gründe.

Probleme in China

CRRC steht gerade unter enormen Leistungsdruck. Bis 2030 muss mindestens 1.000 km Fahrweg stehen, doch es geht nicht wirklich voran, abgesehen von einigen Vorbereitungen wie Tunnelbau und Flächenreservierung. In Deutschland kommen nur positive Nachrichten an, darunter zum Beispiel die erfolgte Testfahrt auf der Tongji-Strecke bei niedriger Geschwindigkeit. Doch gewisse Misserfolge werden, zumindest international, nicht verbreitet.

SMT kooperiert nicht

Man könnte den CRRC 600 doch einfach auf der SMT Strecke testen, oder? Nein. Laut einer chinesischen Korrespondentin hat CRRC vor einiger Zeit dem Shanghai-Streckenbetreiber „SMTDC“ angeboten, die Strecke komplett zu erneuern, und sogar kostenlose Fahrzeuge anzubieten. Doch das liegt wohl nicht im Interesse von SMTDC, diese wollen keinen CRRC 600 auf der Strecke, man möchte beim Transrapid 08 bleiben. Man muss sich in solchen Situation vor Augen führen, dass wenn man von China-Maglev redet, nicht eine einzige Firma oder Organisation gemeint ist, sondern viele einzelne, die eigene Interessen verfolgen.

Tongji-Strecke ungeeignet

Die Tongji-Universität testet auf einer sehr kurzen Strecke mehrere Fahrzeuge auf Basis des Transrapid, darunter seit Anfang 2020 auch eine Mittelsektion des CRRC 600. Doch auch daran hat CRRC kein Interesse, man hatte keine andere Wahl als die Tongji-Strecke. Ich zitiere eine chinesische Korrespondentin: „Sobald CRRC eine eigene Strecke hat, nehmen die deren Fahrzeug, und lassen sich bei Tongji nie wieder mehr blicken“. Das ist auch verständlich, es ist zu erwarten, dass die Tongji-Universität dafür bezahlt wird, dass diese für ein wirtschaftliches Unternehmen ein Fahrzeug testen.

Hoher Bedarf an intensiveren Tests

Das CRRC-Fahrzeug basiert zwar auf dem Transrapid, viel Erfahrung lässt sich hier also einfach übernehmen. Doch man setzt auf ein komplett neues Design, weshalb auch praktische Erprobungen und Ermittlungen des Energieverbrauch, Lautstärke und Fahrkomfort durchgeführt werden müssen, bevor man das Fahrzeug in den kommerziellen Regelbetrieb nimmt. 

Europäisches Standbein

Langfristig gesehen will CRRC das Fahrzeug auch exportieren, weshalb es logisch wäre, das Fahrzeug auch außerhalb China zu demonstrieren. Zudem wäre es für CRRC „gute PR“, wenn sie die Technologie, die sie aus Deutschland bezogen haben, wieder in das Ursprungsland zurückbringen. Vor allem wenn man bedenkt, was das Ursprungsland heute vom Transrapid hält.

Fazit

Es ist auf jeden Fall schwer nachvollziehbar, warum CRRC die deutsche TVE verwenden will, obwohl man in China doch viel einfacher eine komplett neue Strecke errichten kann. Trotzdem wäre es ein Schritt in die richtige Richtung, wenn CRRC mit europäischen Partnern stärker zusammenarbeitet, anstatt in den Augen einiger Nicht-Fachleuten „den Transrapid eiskalt zu kopieren“, was offensichtlich nicht der Fall ist. Wirtschaftlich gesehen wäre die neue TVE unter Führung von CRRC ein Konzept, von dem jeder profitieren wird. Der Bund spart sich Abrisskosten, deutsche Firmen können auch am Maglev arbeiten, die Region Emsland bekommt den schnellsten Zug der Welt (schon wieder, aber nochmals schneller), und CRRC gilt nicht mehr als Firma, die deutsche Technologie kopiert, sondern gemeinsam mit deutschen Firmen wieder auferstehen lässt.

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