Hyperloop in Lathen immer wahrscheinlicher

Dass der Hyperloop bald auf der ehemaligen Transrapid Versuchsanlage fahren könnte, ist bereits lange bekannt. Doch in den letzten Monaten werden die Planungen immer konkreter und intensiver, der Hyperloop (HyperPodX) immer wahrscheinlicher. 

Nicht nur der Hyperloop bringt die TVE erneut in Aufschwung: Auch der bald kommende Transrapid-Lernstandort wird die TVE erneut zu einem Besuchermagnet machen.

Vorort merkt man nicht einmal, was die TVE für eine goldene Zukunft haben wird.

Das HyperPodX Team der Hochschule Emden Leer plant bereits seit 2019, die TVE für Hyperloop-Tests zu verwenden. Ursprünglich wurde damals angegeben, dass erste Testfahrten bereits Anfang 2021 stattfinden könnten. Bisher ist davon Vorort noch keine Spur, jedoch passiert hinter den Kulissen einiges.

So fand am 23. Februar 2021 das erste europäische Hyperloop-Symposium statt, bei welchem einige Details genannt wurden. Auch am 02. März 2021, bei der „1st International Conference on Ultra-High-Speed Transportation“ der TUM München, wurden erneut viele Infos über den Hyperloop auf der TVE publiziert, welche ich nun ausführen werde.

Dr. Ralf Effenberger, Geschäftsführer der INTIS GmbH und somit Leiter der Transrapid Versuchsanlage Emsland, betonte dabei mehrmals, dass unter anderem folgende dank des Transrapid gemachten Erfahrungen dem Hyperloop zugunsten kommen werden:

  • Betriebsleittechnik (OCS / Operation Control System)
  • Magnetisches Schwebesystem samt Sensoren und elektrotechnischen Regeleinheiten
  • Mechanisches Verhalten des Fahrweg
  • Umwelttechnische Einflüsse auf den Betrieb (Wetter, Temperaturen…)
  • On-Board Energiespeicher in Magnetschwebefahrzeugen (Batterien)
  • Fahrzeug-Kühlungseinheiten (Klimaanlagen), Feuerlöscher
  • Vorgehensweisen für Wartungen
  • Vertragsverhandlungen mit Grundstückseigentümern
  • Public Relations (Presseberichte)

Jedoch hat man beim Transrapid nie auf Unterdruck bzw. Vakuum gesetzt, weshalb es hier noch an Erfahrungen fehlt.

Momentan ist es erst einmal wichtig, genau zu entscheiden, was mit der TVE passieren wird. Die TVE ist 31,8 km lang, doch ob diese gesamte Länge genutzt werden kann, ist bisher nicht entschieden.

Laut Prof. Dr. Walter Neu, Leiter des HyperPodX Team, belaufen sich die Kosten für die Umrüstung der gesamten Transrapid Versuchsanlage auf fast eine halbe Milliarde Euro.

In der ersten Phase wird man jedoch mit einem deutlich schmaleren Budget auskommen müssen. Zu Beginn werden lediglich ein paar Kilometer der insgesamt 12 km langen Geraden der TVE umgerüstet, welche jedoch vorerst völlig ausreichen, um die allgemeine Systemtauglichkeit zu beweisen. Doch wie genau macht man aus Transrapidfahrweg eine Hyperloop-Röhre?

Ungefähr so kann man sich ein Hyperloop-Rohr auf Transrapidfahrweg vorstellen. Bild: David Harder, anhand Referenz/Vorlage von Dr. Ralf Effenberger

Über das genaue Umrüstungsverfahren ist man noch uneinig. Baut man die ehemaligen Träger ab – und einfach ein Hyperloop-Rohr drüber, oder baut man das Hyperloop-Rohr auf den Transrapidfahrweg? Oder verbaut man vorerst gar kein Rohr?

Das Rohr, welches dabei verwendet werden soll, wird höchstwahrscheinlich aus Beton sein. Stahl würde keine guten Eigenschaften liefern, wäre also ungeeignet. Eine dritte Option wären Verbundswerkstoffe, diese würden auch die Kosten senken.

Was man laut Prof. Dr. Walter Neu definitiv vermeiden möchte, ist der Bau von zusätzlichen Aufständerungen. Es könnte möglich sein, dass diese benötigt werden, um die nun 40 Jahre alten Pfeiler des Transrapid zu entlasten. Doch dies ist recht unwahrscheinlich, da dieser Fahrweg für mehrere hunderte Tonnen schwere Transrapidfahrzeuge ausgelegt ist, und praktisch gesehen erst bei der Hälfte der Lebenszeit angekommen ist. (Fahrwegshaltbarkeit beim Transrapid: Mindestens 80 Jahre ohne größere Reparaturen.)

Beispielbild: CRRC Maglev auf Hybridfahrwegsträger

Es müssen also noch viele Fragen geklärt werden, bevor erste Probefahrten auf der TVE gemacht werden können.

Dabei soll keine Versuchsanlage entstehen, die dem HyperPodX Team vorbehalten ist. Tatsächlich ist ein europäisches Forschungszentrum geplant, welches jedes Hyperloop-Projekt offen begrüßt. Dabei sollen bewusst Know-How, Erfahrungen, Demonstrationsfahrten und Tests miteinander geteilt werden.

Dr. Effenberger erwähnt dabei auch, dass genau diese Vorgehensweise den Transrapid vom Hyperloop unterscheidet. Beim Transrapid habe man immer deutsch gedacht, das Projekt war nie besonders europäisch oder gar international. Das lag jedoch überwiegend daran, dass der Transrapid ein wirtschaftliches Produkt der Firma ThyssenKrupp ist, bei welchem auch die Forschung überwiegend intern stattfand. Der Hyperloop verfolgt da einen ganz anderen Ansatz – man arbeitet (nicht wie beim Transrapid) konkurrierend, sondern über kontinentale Grenzen hinweg kooperativ. Ziel ist nicht, dass ein Hyperloop-Projekt schnellstmöglich einen Abnehmer findet, sondern die gemeinsame Schaffung „of the future of transport“.

Diese Vorgehensweise wird auch von der Politik unterstützt. So sprach sich auch der niedersächsische Minister für Wissenschaft Björn Thümle (CDU) bei dem Hyperloop-Symposium am 23. Februar 2021 ganz klar für die Umrüstung der TVE und die Entwicklung des Hyperloop im Emsland aus. Auch Jens Beeck (FDP), Mitglied des deutschen Bundestag, ist ganz klar für den Hyperloop im Emsland, und bedauert daher auch, dass der Staat momentan offiziell keine Hyperloop-Forschungsprojekte fördert. Die Technik ist laut dem Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur noch bei weitem nicht kommerziell einsatzbereit, es werden noch viele Tests benötigt. Jedoch verfolge das BMVI die Hyperloop-Entwicklungen aufmerksam. Ganz ohne Subventionen geht man aber nicht aus, für die Entstehung eines Hyperloop-Testcenter gewährt man dem HyperPodX Team eine Anschubfinanzierung in Höhe von 290.000€.  

Insgesamt können wir froh drüber sein, dass die TVE höchstwahrscheinlich eine zweite Chance bekommen wird. Besonders, da selbst die INTIS GmbH bzw. Dr. Effenberger (Leiter der TVE) diese Pläne umfangreich begrüßt, und auch die Politik sowie die Einwohner in Lathen und weitere Stakeholder großes Interesse zeigen. Zwar müssen wir auf konkrete Pläne noch warten, jedoch ist man momentan sehr weit.

Die TVE hat die technische Einsatzreife des Transrapid bereits 1991 bewiesen, hochqualifizierte Ingenieure seitens IABG und ThyssenKrupp haben wortwörtlich das Rad neu erfunden. Die TVE ist der Ausgangspunkt dessen, wovon in China bereits jetzt 1.500 km gebaut werden – Transrapid (CRRC auf Transrapidbasis). Doch bisher nur China, in seinem eigenen Land hat es der Transrapid aufgrund Lobbyismus und uneinsichtiger Politik nie geschafft. Eine zweite Chance hat sich dieser Ort verdient, zum einen als europäisches Forschungszentrum für den Hyperloop, und zum anderen als Ort für den kommenden Transrapid-Lernstandort, welcher ein Anlaufpunkt für die Technologie bilden wird, und die Vision des Transrapid am Leben erhält.

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