Ein Hybrid zwischen Eisenbahn und Magnetbahn: Nevomo MagRail

Seit mehreren Jahren arbeitet ein polnisches Start-Up (Nevomo) an einem Hyperloop-System, welches die Magnetschwebetechnologie auf die konventionelle Schiene bringt. Das System verspricht signifikante Vorteile, unter anderem, dass man eine 550 km/h schnelle Magnetschwebe-Kapsel auf bereits bestehender Rad-Schiene-Infrastruktur betreiben kann. 

Quelle: Nevomo (Pressefoto)

Das Konzept

Das Konzept dieser Technologie ist recht simpel. Die bereits bestehende Rad-Schiene-Infrastruktur müsste laut Hersteller mit einem Linearmotor ausgestattet werden, um Geschwindigkeiten von 550 km/h erreichen zu können. Das Fahrzeug, bzw. „Kapsel“, schwebt permanentmagnetisch über den Gleisen. Dabei ist anzumerken, dass konventionelle Rad-Schiene-Fahrzeuge die umgerüstete Strecke weiterhin vollumfänglich befahren können.

Für einen späteren Zeitpunkt plant das Nevomo-Team auch die Implementation des Hyperloop-Systems. In einer ersten Phase soll bereits vorhandene Infrastruktur umgerüstet werden. In einer darauffolgenden Phase schlägt man vor, das Fahrzeug in einer luftdichten und vakuumierten Röhre zu betreiben, wodurch Geschwindigkeiten bis zu 1.200 km/h möglich werden.

Wie funktioniert "MagRail"?

Das Fahrzeug beginnt seine Fahrt vorerst auf Rädern. Ab 50 km/h fängt das Fahrzeug an, mit einem kleinen Luftspalt überhalb der Schienen zu schweben. 

Ein weiterer Knackpunkt dieser Technologie ist die „einzigartige Neigetechnologie“, welche die hohen Geschwindigkeiten auf alter Rad-Schiene-Infrastruktur ermöglicht.

Welche Vorteile erschließen sich?

Der größte Vorteil des Nevomo MagRail-Systems gegenüber Transrapid oder Hyperloopstrecken wäre die Interoperabilität. Das bedeutet, dass alte Infrastruktur weiterhin verwendet werden kann, und, dass selbst nach der Umrüstung, diese Strecken von konventionellen Zügen befahren werden können.

Das steht im Gegensatz zum Transrapid, dieser braucht immer einen dedizierten Fahrweg, welcher nativ inkompatibel mit Rad-Schiene wäre. Zwar gäbe es den bivalenten Fahrweg, dieser wäre jedoch unsinnig.

Auch der Hyperloop braucht eigene Infrastruktur, vorhandene Bahnstrecken aufrüsten ist unmöglich, außer bei Nevomo.

MagRail verglichen mit dem Transrapid

Der Transrapid schwebt dank aktiven Elektromagneten, die das Fahrzeug tragen und führen. Dafür wird Energie benötigt, im Gegensatz zu Nevomo’s MagRail-Fahrzeug, welches permanentmagnetisch schwebt.

Als man Anfang der 70er Jahre mit den Transrapid-Entwicklungen begann, untersuchte man auch das permanentmagnetische Schwebesystem bei Hochgeschwindigkeits-Magnetbahnen. Damals kam man zu dem Entschluss, dass die Regelung eines präzisen Luftspalts nahezu unmöglich war. Nevomo scheint dies jedoch mit dem MagRail-Fahrzeug gelöst zu haben. Dadurch muss das Fahrzeug zum reinen Schweben, ohne Antrieb, keine Energie aufwenden.

Bei Geschwindigkeiten bis ca. 175-200 km/h ist der Energiebedarf des Transrapid daher höher, als bei der Rad-Schiene, insbesondere aufgrund des Energieaufwands für das Schweben. Bei hohen Geschwindigkeiten sieht das komplett anders aus, bei 350 km/h ist der Energiebedarf laut einer Studie der Technischen Universität Dresden ca. 40% niedriger, verglichen mit dem ICE 3. Nevomo MagRail liegt hier im Vorteil, es muss keine Energie für das Schweben aufgewendet werden.

Vergleicht man den Energiebedarf bei 300 km/h zwischen Nevomo und Transrapid, fällt jedoch auf, dass dieser bei Nevomo deutlich höher angegeben wurde. Es handelt sich um folgende Werte:

  • Nevomo MagRail: 93 Wh pro Sitzplatz/Kilometer
  • Transrapid 08: 28,1 Wh pro Sitzplatz/Kilometer

Aber Achtung: Diese Zahlen sind schwer vergleichbar, da es sich beim Transrapid um ein großes Fahrzeug mit 438 Sitzen (bei 5 Sektionen) handelt, beim Nevomo MagRail-System jedoch um eine Kapsel mit lediglich max. 70 Sitzen. Teilt man den Energiebedarf des Transrapid also durch 438, ist das Ergebnis deutlich niedriger, als wenn man den Energiebedarf nur durch 70 teilt. 

Weitere Infos zu dieser Technologie sind unter nevomo.tech zu finden.

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